[LUGA] Mit freundlicher Unterstützung von:
init.at

Wie unfrei ist 'freie Software' vermeintlich?

Bernd Petrovitsch

Und wieder mal muß ich bezahlte kommerzielle Werbung lesen, die letztendlich nur versucht, die eigenen Einnahmen zu erhöhen. Aber ich finde dann doch keine Darstellung der eigenen Stärke oder gar Vorzüge, sondern lediglich eine Verunglimpfung des vermeintlichen Mitbewerbs.

In der Computerwelt Special 5/2004 zum Thema "Open Source" vom 23. April 2004 findet sich eine bezahlte Anzeige, die kommentiert werden muß, um die eine oder andere inhaltliche Unstimmigkeit bzw. mißglückte Darstellung ein wenig zu erklären.

Der Original-Text des Artikels ist eingerückt hervorgehoben, die Kommentare sind italic.

Wie frei ist "freie Software" wirklich?

Thomas Lutz*
Die medial sehr emotional geführte Diskussion um Open Source bzw. Linux nimmt zurzeit in Österreich in einem Maße zu, die zunehmend dazu geeignet ist, weitgehend unrealistische Erwartungen in den Köpfen heimischer IT Entscheider zu wecken.

Wir werden sehen, wo welche zweifelhaften Erwartungen geweckt wurden bzw. werden. Und die emotional geführte Diskussion hat leider handfeste trockene Fakten als Grundlage.

Die Entwicklung moderner Informationstechnologie verläuft in einer enormen Geschwindigkeit: Angesichts dieses Tempos wird es in Hinblick auf notwendige Investitionen im IT-Sektor immer entscheidender, dass Strategien und Lösungen längerfristig und nachhaltig die Anforderungen der Unternehmen und Anwender abdecken. Steuerte sich bislang in diesem Bereich in der Privatwirtschaft der begleitende Prozess der Auslese über den freien Wettbewerb, so gewinnen - mit dem Eindringen der Technologien in alle Bereiche des öffentlichen Lebens - auch die weitreichenden Entscheidungen von Regierungen und der öffentlichen Hand zunehmend an Bedeutung.

Dazu kommt, daß man sich mit einer Einkaufsentscheidung auch von den Lieferanten bis zu einem gewissen Grad abhängig macht. Ob man deshalb bei eine Lieferanten ohne Alternative einkauft (und sich damit in dessen Abhängigkeit - sowohl kommerziell preislicher wie technologischer Natur - begibt) oder aus wettbewerbs-taktischen Gründen Lieferanten mit aktiver Konkurrenz/Mitbewerb/Wettbererbern/Marktbegleiter/... wählt (auf dem Hardwaresektor wird dies "Second Source" eines Bauteils bzw. Chips genannt), muß jeder selber nüchtern und sachlich entscheiden.

Schenkt man dem Boulevard Glauben, so lesen sich die Versprechungen von Linux in etwa so: Es läuft auf der ältesten Hardware, Anwender müssen niemals upgraden, und selbst wenn sie das doch irgendwann tun müssen wird es vollständig kostenlos sein. Außerdem wird Linux bis in alle Ewigkeit ohne Probleme funktionieren.

Tja, wer "dem Boulevard" Glauben schenkt und daraufhin geschäftskritische Entscheidungen trifft (anstatt rational die eigenen Bedürfnisse und Randbedingungen zu definieren), der ist wohl selber Schuld.

"Wir möchten in dieser Debatte den Gefühlen Argumente und der Ideologie Fakten entgegensetzen"

Grundsätzlich sind Fakten zu begrüßen, insbesondere wenn sie ein Quentchen Wahrheit beinhalten. Deshalb möchten wir den sogenannten Fakten eben diese Wahrheit hinzufügen.

Während Linux viele Eigenschaften eines guten Betriebssystems aufweist, stellen sich dennoch viele der ihm pauschal zugesprochenen Attribute mehr und mehr als Mythen heraus. Egal ob es um die angebliche Kostenlosigkeit, Lizenzfreiheit oder Unabhängigkeit geht, sollten diese Aspekte einer ausreichenden Differenzierung unterzogen werden und auch die Standpunkte der Anbieter von kommerzieller Software in die öffentliche Debatte eingebracht werden.

Die angebliche Kostenlosigkeit ist kein Mythos, sondern existiert tatsächlich. Die große Masse gängiger Software, die (nicht nur) auf Linux läuft (sondern auch auf anderen Unix-Varianten und -Klonen sowie auch auf proprietären Betriebssystemen). ist tatsächlich kostenlos (wenn man von den Selbstkosten des legalen Kopierens derselben absieht). Und man bekommt nicht nur die ausführbaren Programme, die installiert und ausgeführt werden können, sondern auch die vollständigen Sourcen dazu, aus der man die ausführbaren Programme vollständig herstellen kann bzw. herstellen lassen kann.

Wenn mit der "Kostenlosigkeit" der Sourcen und ausführbaren Programme allerdings ein professionelle Installation (ohne Vorkenntnisse), Support, Wartung und/oder neue Features am Fließband ähnlich zu üblicher proprietärer Monopol-Software suggeriert werden, dann ist diese Kostenlosigkeit tatsächlich ein Mythos. Allerdings finden sich in den Sourcen, README, Dokumentation, Webseiten oder anderer Medien auch keine Hinweise auf diese Art der "Kostenlosigkeit". Solche (inkorrekten) Andeutungen finden sich ausschließlich in Artikeln wie dem hier besprochenen, die unterbleiben könnten, wenn die Autoren solcher Artikel die Hausaufgaben machen und sich an die selbst-beschworenen Fakten halten würden.

Offene Systeme & Standards - was heißt das?

Die Offenheit der eingesetzten Systeme und Plattformen spielt dabei eine zentrale Rolle. Denn nur plattformübergreifende und marktbasierende Standards sind in der Lage, die Entwicklung von Produkten zu unterstützen,

Zwischenfrage: Was heißt hier "marktbasierend"? Vielleicht daß ein Mono- oder Oligopol einflußreicher Firmen eben diesen "Standard" definiert, darauf auch noch (in Europa an sich illegale) Ideen-Patente hält und die Verwendung dieses Standards durch hohe Lizenzgebühren kontrolliert?

die interoperabel sind. Nicht von ungefähr kommt in diesem Zusammenhang immer wieder die ideologisch aufgeheizte Unterscheidung zwischen Open Source Software und kommerzieller Software, zu der auch Microsoft-Produkte gehören, ins Spiel. Eine Unterscheidung die mit einigen Missverständnissen

Zwischenbemerkung: "Open Source" und "kommerzielle Software" sind zwei orthogonale Begriffe. Mit anderen Worten: Das eine schließt das andere nicht aus und umgekehrt.

Was ist nun "Open Source"?
Im Prinzip jede Software, die unter einer von http://www.opensource.org/ anerkannten Lizenz wie der GNU General Public License, BSD Lizenz und anderen (um nur die zwei wesentlichsten zu nennen). Rein praktisch erlauben diese Lizenzen den Source zu verwednen, zu verändern und diese Veränderungen auch weiterzugeben.
Was ist nun "kommerzielle Software"?
Das ist Software, für man Geld bekommt. Unter welcher Lizenz der Lieferant diese gekaufte Software an den Käufer weitergibt, hat mit der Bezahlung an sich nichts zu tun.

einhergeht. So werden offene Standards und Open Source-Software viel zu oft einfach gleichgesetzt, obwohl die Entscheidung, seinen Quellcode zu veröffentlichen, mit der Entwicklung neuer Standards nichts zu tun hat.

Da ist - ausnahmsweise - etwas korrekt. Standards werden in eigenen Dokumenten - idealerweise im wesentlichen unabhängig von konkreten Produkten - niedergeschrieben. Die Dokumente, die einen Standard definieren, werden üblicherweise auch veröffentlicht, damit sie konkret greifbar sind (so gut wie es halt bei immatriellen Gut möglich ist) und vor allem auch von anderen Firmen und/oder Projekten verwendet werden können. Schließlich bringt ein Standard wenig, wenn nur ein unbedeutender Hersteller sich daran hält. Standards werden auch nicht von einzelnen Firmen geschrieben, sondern von Organisationen wie der Internet Engineering Task Force oder International Telecommunication Union (deren Teil - die ITU-T - die früherer CCITT ist). Diese unabhängigen Organisationen mögen von Firmen finanziert werden und Vertreter dieser Firmen mögen dort führend und wesentlich mitarbeiten, aber die entstehenden Standards sind doch weitgehend unabhängig. Und vor allem sind sie dadurch durch wesentliche Teile der IT-Industrie akzeptiert.

Ein weiteres wesentliches Merkmal von (echten) Standards im obigen Sinne ist, daß sie ohne besondere Einschränkungen verwendet bzw. implementiert werden dürfen und nicht etwa von aggressiven Rechten wie dem Patentrecht gefährdet sind, sodaß jeder Verwender (und vor allem Implementierer) sich an eben diesen Standard halten kann ohne Geld für die Erlaubnis zu bezahlen, eben diesen Standard auch umzusetzen.

Diese Überlegungen führen zwangsläufig zur Frage, welche "kommerziellen Firmen" ihre eigenen und selbst geschriebenen de-facto (sogenannten) Standards tatsächlich zu oben erwähnten Bedingungen veröffentlichen, eben damit sie zu akzeptierten(und irgendwann auch echten) Standards werden können. Solange ein Protokoll oder Dateiformat nicht explizit definiert ist, ist es sinnvoll nicht möglich, kompatible Implementierungen herzustellen. Bei jeder neuen Version oder sogar Patch könnte sich eine Kleinigeit ändern, die Inkompatibilitäten hervorruft.

Aus der wirtschaftspolitischen Perspektive stellt sich die Frage nach der nachhaltigen Innovationskraft eines Entwicklungsmodells, welches keine wirtschaftliche Incentives für den Hersteller von Software vorsieht.

Zwischenfrage: Wenn diese "nachhaltige Innovationskraft eines Entwicklungsmodells" nicht existiert, wie oben implizit suggeriert wird, warum gibt es das GNU Projekt seit 1983 (!!), das ausschließlich freie Software produziert. Warum wird am Linux-Kernel seit über 10 Jahren von vielen - vor allem auch nicht extra dafür bezahlten Entwicklern - erfolgreich gearbeitet? Und offenbar so erfolgreich, daß sich Monopolisten wie z.B. der Welt größte Softwarehersteller offensichtlich ernsthafte Sorgen machen.

Softwareinnovation stellt jedoch einen wesentlichen Antrieb für den wirtschaftlichen, sozialen und technologischen Fortschritt dar.

Auch dieses ist - so weit - korrekt.

Dieser hängt zum großen Teil von der kommerziellen Entwicklung durch unabhängige Softwareunternehmen ab, die sich von Wettbewerbern abheben wollen und mit ihren innovativen Produkten die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft steigern.

Woher die Abhängigkeit von "Softwareinnovation" zur "kommerziellen Entwicklung" stammt, muß der Verfasser der obigen Zeilen beantworten - ich kann es nicht, weil es nicht wahr ist. Es gibt - gar nicht so wenige - Leute, die Software in Ihrer Freizeit zum eigenen Nutzen und/oder Spaß schreiben - eines der obskursten Beispiele ist wohl der International Obfuscated C Programming Contest. Einmal mehr ist das etwas, das durch einfaches Recherchieren (oder Nachfragen in Technikabteilungen) herauszufinden gewesen wäre.

Auch die Argumentationslinie mit der "Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Wirtschaft" versteh ich im Zusammenhang nicht, da der Autor den eigenen Arbeitgeber damit explizit ausnimmt.

Dies ist bei der Entwicklung von Open Source Software jedoch generell ausgeschlossen, da die Entwicklungsleistung auf freiwilliger Basis passiert.

Auch dieses ist schon seit längerem so nicht ganz korrekt. Viele Programmierer werden von Firmen dafür bezahlt, freie Software zu entwickeln, weiter zu entwickeln, anzupassen oder für bzw. in eigene Produkte - so weit wie sinnvoll und möglich - zu integrieren.

Offenbar herrscht in manchen Chefetagen die Meinung vor, daß ausschließlich durch Zwang (und vor allen ohne Freiwilligkeit) "innovative Produkte" erzeugen lassen. Wer eigene Erfahrung im Kreativbereich (und dazu gehört auch ein Teil von Softwareentwicklung) hat, wird wissen wie Termindruck und Streß sich auf die Qualität des Ergebnisses auswirken.

Während der Bereich der Berkeley Software Distribution (BSD) ihre Software mit Lizenzrechten versieht, die auch eine Integration in kommerzielle Software ermöglichen,

Dies ist so an sich korrekt. Genauer sollte das heißen: Die oben erwähnte BSD-Lizenz erlaubt es, den Sourcecode zu nehmen, zu verändern und in eigene Produkte so weit zu integrieren wie man will ohne jede weitere Verpflichtung, d.h. jede Firma kann Sourcecode mit dieser Lizenz - auch kostenlos - nehmen und einfach ohne weiter Einschränkung verändern und selber verwenden.

gehen die Befürworter der "Freien Software" Ideologie (www.fsf.org) deutlich weiter: Sie fordern die Erstellung und Weitergabe bzw. Weiterentwicklung Ihrer Software außerhalb des Urheberrechtsbogens und der damit verbundenen Verwertungsrechte.

Die FSF fordert genau dieses eben nicht (und es bleibt zu prüfen, inwiefern obige Aussage eine Unterstellung einer Straftat ist). Es mag im anglikanischen Sprachraum möglich sein, alle seine Rechte (das "Copyright") an geschriebener Software (im übrigen genauso wie bei Texten und Musik) an andere - normalerweise darauf spezialisierte Verwertungsfirmen, die von der Verwertung der Kreativität andererleben und üblicherweise gegen (relativ geringes) Entgelt - abzutreten.

Dies ist für den einzelnen auch kein wirkliches Problem, weil das an die FSF abgetretene "Copyright" kommt sofort über die GPL - GNU General Public License wieder zurück zusammen mit jeder Menge anderer Software.

Hingegen ist es in Österreich (und Deutschland) nicht möglich, sein Urheberrecht an Texten, Musik, Software oder sonstigen immatriellen Dingen abzutreten. Allenfalls kann man jegliche Verwertungsrechte abtreten, wie es z.B. jeder unselbständig Beschäftigte implizit tut und sein Arbeitgeber die (ausschließlichen) Verwertungsrechte der geschriebenen Software erhält. Und auch in Österreich (und Deutschland) bekommt man jede Menge anderer freier Software direkt zurück - ganz abgesehen von der freien Software, bei der man angefangen hat, etwas zu verändern bzw. zu verbessern.

Damit ist es in Österreich (und Deutschland) letztendlich unmöglich, Software "außerhalb des Urheberrechtsbogens" zu produzieren, wie jeder (auch Nicht-Jurist), der sich mit diesem Gebiet ein wenig befaßt, wissen muß.

Die Erstellung von Software folgt dabei keiner kommerziellen Zielsetzung - eine Vergütung für den Hersteller von derartiger Open Source Software (wie beispielsweise GNU/Linux) ist in diesem System nicht vorgesehen.

Auch dieses ist wieder einmal falsch. Wie weiter oben gesagt, werden viele Programmierer für die Erzeugung von GPL Source Code bezahlt. Viele Firmen leben vollständig oder auch nur teilweise von der Weiterentwicklung bzw. Veränderung von GPL Software. Es ist auch kein Problem, wenn man (viel) Geld für GPL Software verlangt (das Problem mag in dem Finden eines Käufers liegen, aber dieses Problem hat mit freier Software nichts zu tun).

Als wahrscheinlich bestes Beispiel für die Möglichkeit, für GPL Software viel Geld verlangen zu können, ist die offizielle Verkaufsseite der FSF geeignet. Man möge sich die Preise dort ansehen - und das für freie Software, die man z.B. hier zum Selbstkostenpreis vollständig und komplett herunterladen kann.

Wachsende kommerzielle Vermarktung von Open Source Software

Die aktuellen Entwicklungen am Markt zeigen allerdings, dass auch Open Source Software mehr und mehr dem kommerziellen System folgt und die maßgeblichen Entwicklungen innerhalb großer (mehrheitlich amerikanischer) IT Konzerne stattfindet.

Es wird jetzt etwas skurril: Während im letzten Absatz behauptet wurde, daß freie Software bzw. Open Source Software gar nicht kommerziell sein kann, wird hier auf einmal genau das Gegenteil behauptet.

Und so eine Bemerkung von einem lokalen Vertreter des größten amerikanischen (und damit weltweit größten) Softwareherstellers zu hören, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Es bildet sich innerhalb der Distributionslandschaft von Linux zunehmend Oligopole und die Vermarktung der Produkte erfolgt entlang bekannter kommerzieller Schemata wie Lizenzen pro Arbeitsplatz, langfristigen Support- und Wartungsverträgen, Updatezyklen u.v.m. Im kommerziellen Umfeld von Linux entstehen jedoch nicht nur Lizenzkosten, sondern auch nicht unbeträchtliche Integrations- und Wartungskosten.

Wenn man externen Support benötigt, kann man sich an Firmen (oder Leute) wenden, die dieses anbieten - und zu den Bedingungen, die diese anbieten. Beides ist dem Anbieter überlassen. Weiters steht es jedem frei, andere Supportmodelle zu erfinden und umzusetzen. Es gibt Distributionen, die frei genug sind, sodaß auch andere Anbieter kommerziellen (oder anderen) Support u.ä. zu beliebigen Bedingungen anbieten können.

Letztendlich steht es auch jeder Firma frei, den "professionellen Support" im eigenen Haus zu beschäftigen und so von außen nicht abbhängig zu sein.

Es steht auch jedem frei, die nächste Distribution selber zusammenzustellen, und so die unterstellten Oligopole zu unterlaufen. Im übrigen wirkt es auf mich etwas sonderbar, wenn ein Monopolist bei einem vermeintlichen Konkurrenten/Mitbewerber/Marktbegleiter vor Oligopolen warnt (ohne ein Argument zu bringen, daß diese tatsächlich existieren oder gar ein Problem darstellen können).

Damit relativieren sich allfällig geringere Anschaffungskosten für den Anwender schnell, da er diese zusätzlichen Kosten ebenfalls zu tragen hat. Diese Aufwendungen, die bei Standardsoftware in überaus geringerem Maße anfallen, werden als neue Umsatzchance der Open Source Integratoren gesehen, welche auch gleichzeitig die stärksten Befürworter für Open Source darstellen.

Das ist korrekt. Der Anwender hat allerdings - im Gegensatz etwa zu proprietärer Software großer monopolistischer (auch amerikanischer) IT-Konzerne - jederzeit das Recht, den kompletten GPL-Source seines Systems vom Lieferanten zu bekommmen und damit zu machen, wer wer will - insbesondere zu einem anderen Unternehmen zu gehen, um woanders besseren und/oder günstigeren Support zu bekommen. Dies mag nicht einfach oder billig sein, aber es ist absolut möglich.

Open Source ist ein hartes Geschäft geworden, in dem große Unternehmen den Ton angeben.

Naja, es ist nicht immer nur die Pauke, die die Musik macht.

Daher wundert es kaum, dass die großen Anbieter von Linux Software mehrheitlich große Konzerne sind, welche damit ihre Hardware- und

Na no na net, daß ein "großer Konzern" ein "großen Anbieter" sein wird. Und inzwischen gibt es mehrere davon, die Linux und freie Software alternativ oder zusätzlich zu eigener Software bzw. Betriebssystem anbieten.

Dienstleistungsangebote querfinanzieren und zusätzliche Einnahmen aus der Komplexität von IT Plattformen generieren. Die Verwendung des positiv

Der geneigte Leser möge sich in Erinnerung rufen, welcher große amerikanische monopolistische Softwarekonzern in letzter Zeit sein Marketing und Werbung in Richtung "seamless computing" betrieben hat, das ja auch nichts anderes versuchen will, als komplexe IT-Strukturen einfachst handhabbar zu machen.

besetzten Begriffes Open Source ist dabei aus Marketing- und PR Gründen verständlich, wird jedoch der eigentlichen Bedeutung als alternatives Entwicklungs- und Lizenzmodell nicht mehr gerecht.

Es bleibt zu erwähnen, daß viele kleine und große Firmen Entwickler bzw. ganze Entwicklungsabteilungen dazu abstellen, GPL Software weiter zu entwickeln (wie z.B. den Linux-Kernel auf der eigenen Hardware zum Laufen zu bringen oder anderen freien Softwareprojekten weiter mitzuarbeiten) oder auch externe Entwickler ganz oder teilweise für ihre Arbeit an GPL Software zu bezahlen.

Freier Wettbewerb bei der Bewertung von Softwaremodellen

Doch unabhängig davon, welches Entwicklungsmodell man auch bevorzugt, ist die Rolle des Staates in dieser Debatte von weitreichender wirtschafts- politischen Bedeutung. Von welchen Überlegungen und Erfahrungen sollen sich politische Entscheidungsträger heute und in Zukunft leiten lassen?
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass sich der dänische Wissenschaftsminister Helge Sander in einem konkreten Anlassfall ganz klar für einen technologieneutralen Standpunkt in der Bewertung von Softwaremodellen im öffentlichen Einkauf und damit für den freien Wettbewerb ausspricht. Unter dem Titel "Software for the public sector - the best and the cheapest", weist Sander auch darauf hin, dass man aus der Privatwirtschaft lernen sollte, wenn es um IT-Investitionen gehr. Denn rechtfertigen lassen sich diese nur, wenn am anderen Ende bessere und günstigere Services für den Kunden - in diesem Fall für den Steuerzahler - herauskommen.

Ja, das wünschen wir Steuerzahler uns alle. Und wir wünschen uns auch, daß das Marketing, Vertrieb und Lobbyisten im Auftrag der Konzerne sich auf dem Boden der Realität bleiben und auf sonstige direkte und indirekte Einflußnahme auf die Entscheidungsträger in Zukunft verzichten.

Die Beschaffung von Software ist primär von deren Leistung und nicht von deren Entwicklungsmodell abhängig zu machen.

So ist es. Weiters gibt es noch den Aspekt der Security und Transparenz, den freie Software, der im großen Rahmen ohne besondere Kosten öffentlich ist und schon deshalb qualitativ signifikant besser ist, zweifelsohne erfüllt. Es gibt auch unabhängige lokale Experten bzw. Firmen, von denen man dieses prüfen lassen kann, wenn man selber nicht in der Lage dazu ist.

Verschiedene wirksame Schutzeinrichtungen für geistiges Eigentum sind aufrechtzuerhalten, um die Entwicklung und kontinuierliche Innovation von Softwarelösungen zu fördern.

Diese wirksame Schutzeinrichtung gibt es längst und sie heißt - zumindest in Österreich und Deutschland - Urheberrecht. Damit kann jede Firma und Person verhindern, daß wer anderer die eigene Software einfach unerlaubt kopiert und mißbraucht.

Dabei ist auf die höchstmögliche Interoperabilität durch plattformneutrale Standards zu achten.

Auch dieses wünscht sich die freie Software und Open Source Community insbesondere vom Monopolisten. Vielleicht könnte dort mal wer diesen Artikel lesen und auch beherzigen und entsprechende Verletzungen der z.B. akzeptierten offenen und freien Standards am Internet korrekterweise endlich als Fehler in der eigenen Software klassifiziern und diese Fehler aus der Software auch entfernen.

Indem in jeder Beschaffungssituation unterschiedliche und an ihrer jeweiligen Leistung gemessene Software-Entwicklungs-, Geschäfts- und Lizenzmodelle miteinander konkurrieren können, lässt sich sicherstellen, dass den öffentlichen Kunden bei ihren Software- beschaffungsentscheidungen eine größtmögliche Auswahl zur Verfügung steht. Auch die öffentliche Verwaltung in Österreich braucht die bestmöglichen Systeme, um effizient, sicher und zukunftsorientiert arbeiten zu können. Deshalb geht es um ein Gesamtbild, bei dem die Interessen der Nutzer ebenso berücksichtigt werden wie die entscheidenden Faktoren Kosteneffizienz, Vertrauen und Verlässlichkeit, Sicherheit und Innovationswirkung.

Als weiteren nicht unrelevanten Punkt möchte ich noch die Bedeutung öffentlicher Aufträge für kleinere und größere lokale Firmen unterstreichen, die ein Staat, Bundesland oder Stadt natürlich auch im Auge haben muß. Zum einen bleibt das Geld im Land und sichert lokale Arbeitsplätze, zum anderen wird die Qualität der lokalen Wirtschaft gefordert und damit gefördert. Die lokal verbleibende Wertschöpfung einer reinen Marketing und Vertriebsniederlassung ist denkbar gering und auch für den Hochtechnologiesektor nicht relevant.

Entscheidend für die Auswahl von Software sind die Anforderungen und Bedürfnisse des Kunden: Um öffentliche Politik an neutralen Prinzipien auszurichten, sollten Regierungen ihre Aufgabe nicht darin sehen, eine Entscheidung zugunsten des einen oder anderen Entwicklungsmodells zu treffen.

Sondern die Regierungen sollten natürlich das "beste" Angebot wählen. Und das muß nicht unbedingt auch das billigste sein. Insbesondere wenn die Entwicklung der eingekauften Software weit weg im Ausland sitzt, wohin das Geld zwangsläufig fließt, das die lokale Verkaufsabteilung fakturiert.

Sie würden damit auch Verantwortung für weitergehende Steuerungsmechanismen und deren volkswirtschaftliche Auswirkungen übernehmen und sich auch der damit verbundenen Diskussion über die Kernkompetenz des Staates stellen müssen.

Ich bin ja kein Volkswirt, aber genau das sollte doch die Kernkompetenz eines Staates sein: Auch die volkswirtschaftlichen Auswirkungen zu bedenken und danach zu entscheiden.

Der Staat soll vielmehr die Anwender dazu ermutigen, sich umfassend über Stärken und Schwächen der unterschiedlichen Produkte vor dem Hintergrund ihrer individuellen Bedürfnisse zu informieren.

Wobei diese Ermutigung natürlich fair und gleichberechtigt und nicht mit Knebelverträgen im Hintergrund ablaufen soll.

Nur so werden sich am Ende anwenderrelevante Kriterien wie Funktionalität, Leistungsfähigkeit, Sicherheit und Total Cost of Ownership (TCO) durchsetzen können. Denn volkswirtschaftlich argumentierbar ist langfristig nur der freie Wettbewerb von Lösungen im Sinne eines gesteigerten Kundennutzens.

So ist es. Als Großabnehmer, wie es eine Stadt Wien oder gar der Bund ist, läßt sich noch einfach weitere Konkurrenz/Wettbewerb bei den Anbietern erzeugen, die ja im Sinne das Autors des Artikels sind: Software wird nicht in "großen Brocken" ausgeschrieben, sondern in kleineren Teilen, deren Schnittstellen klar und offen definiert sind (und für die es auch kein gewährtes Patent oder eingereichter Patentantrag existiert). Das ermöglicht es auch lokalen KMUs, die zwangsläufig nur auf Teilgebiete spezialisiert sein können, mit ihrer Kernkompetenz anzubieten und einen Auftrag auch wirtschaftlich annehmen zu können. Weiters können diese Teile auch ersetzt werden - aus was für Gründen auch immer -, da ja die Schnittstellen definiert sind. Diese Gründe können die Notwendigkeit neuer Features sein oder gravierende Probleme mit der Software des aktuellen Anbieters.

Aus diesem Grund ist auch der Wettbewerb, den Open Source in die kommerzielle Softwarebranche gebracht hat, als gesund und positiv zu bewerten. Denn diesen ernst zu nehmen heißt auch, den öffentlichen Diskurs aus der ideologischen Klammer zu lösen und die Entscheidung für oder gegen eine Software wieder den Anforderungen des Marktes zu überlassen.

Es gibt am Markt kaum ideologische Klammern - Firmen jedweder Branche wollen bzw. müssen Gewinn machen.

*) Thomas Lutz is Unternehmenssprecher von Microsoft Österreich und seit 4 Jahren Mitglied der Geschäftsleitung.
Weitere Analysen und Studien zu diesem Thema finden Sie unter: www.microsoft.com/austria/DieFakten

Die Hintergründe der Wahrheit und v.a. Sourcecode zu Alternativen finden Sie an vielen tausenden unabhängigne Stellen im Internet. Ein Ausgangspunkt ist z.B. http://www.google.com/.

----------
' DAS RISIKO OPEN SOURCE
|
| Die so genannte "Bazar"-Methode der Softwareentwicklung, die von den Open
| Source Befürwortern bevorzugt wird, erschwert die Kontrolle eines Produkts

Das Entwicklungsmodell hat auch nicht ursächlich etwas mit der Lizenz zu tun und ist schon gar nicht zwingend vorgeschrieben.

| und macht es sehr kompliziert, die Verantwortlichen zu identifizieren.

Was hilft der "Verantwortliche", wenn er nicht Willens oder fähig ist, das Problem zu lösen? Was hilft ein verantwortlicher Konzern, wenn die entsprechendne Leute dort intern nicht gefunden werden können?

Ansonsten ist bei praktisch allen (lebendigen) Projekten ein Maintainer, Core Team oder wie auch immer sich die faktische Projektleitung auf den Webseiten des Projektes zu finden. Das ist schon deshalb notwendig, damit potentielle Mitentwickler schnell und direkt eingebunden werden können. Normalerweise gibt es auch projekt-spezifische Mailinglisten, die jeder Interessierte lesen und auch darauf posten kann und darf.

| Ausserdem werden für die meisten Open Source Lizenzen keine Garantien

Es helfen auch Garantien nichts, wenn man bei kritischen Bugs ein halbes Jahr auf einen Patch bzw. Hotfix warten muß. Zusätzlich sind Garantien ein versprochenes Verhalten in der Zukunft und diese sind gesetzlich in keinster weise geregelt.

| angeboten, und bei vielen wird die Produkthaftung vom Verkäufer an den
| Softwarekonsumenten übertragen. Dazu kommt, dass der lose

Produkthaftung ist - zumindest in Österreich - bei Standardsoftware ein im wesentlichen irrelevantes Konzept.

| Urheberrechtsschutz zu nachteiligen "Gabelungen" eines Produktes führen
| kann. Das bedeutet, dass verschiedene, konkurrierende Versionen eines

Der Urheberrechtsschutz ist bei jeglicher Art von Software identisch - egal, ob frei oder proprietär.

| Produkts auftreten können, die miteinander inkompatibel sind. Linus

Diese "Gabelungen" (die im Orignal "fork" heißen) treten extremst selten auf (insbesondere wenn man die große Anzahl an mehr oder minder aktiven Projekten betrachtet). Ein Paper darüber ist Eric S. Raymonds Homesteading the Noosphere.

| Torvalds, Urheber des Betriebssystems Linux, hat angedeutet, dass Linux
| bereits jetzt Anzeichen einer gewissen Fragmentierung in verschiedensten
| Versionen aufweist. Ausserdem kann Open Source Software unsicher sein, weil

Der kritische Leser wünscht sich hier genauere Hintergründe und/oder Referenzen, was denn gemeint sein könnte. Inzwischen gibt es die (offiziellen) Versionen 1.0, 2.0, 2.2, 2.4 und 2.6 der Linux Kernels. Zusätzlich zu den offiziellen Sourcen gibt es eine Unmenge von Source-Patches, die im Prinzip vorgeschlagene Erweiterungen und Verbesserungen sind. Parallel zum offiziellen Kernel gibt es auch Kernel-Varianten, wo eine Untermenge dieser Patches bereits eingearbeitet ist - sei es, weil es eine Distribution ist, die neuere Features Ihren Kunden zur Verfügung stellen will, oder weil ein Entwickler spezielles Interesse in einem speziellen Gebiet hat. Jedoch wird bei diesen Varianten auf den Erhalt der Patch-Geschichte geachtet, da auch diese durch eine neuere Version in Zukunft ersetzt werden können bzw. werden.

| es aufgrund des Zugangs zum Quellcode leicht ist. "trojanische Pferde" wie
| Spionagewerkzeuge unterzubringen. Der Entwicklungspfad von Open Source

So leicht, wie es sich der Autor des Artikels vorstellt, geht es auch nicht. Die große Kunst besteht darin, den Source mit dem "trojanischen Pferd" unbemerkt an prominenter Stelle auch zu plazieren. Dies ist - nach vielen Jahren gelebter Security angesichts der Unmengen an Viren, Würmern und andere Malware - äußerst selten der Fall (und mir persönlich fällt nur ein Fall ein, wo es tatsächlich gelungen ist, verseuchten Source auf einem Server als "offizielles" Release zu tarnen und dies ist nach wenigen Stunden entdeckt worden).

| Software ist unsicher, weil die Entwicklung der Software nicht von einer
| zentralen Stelle aus koordiniert wird.
`----------

Und noch eine inkorrekte Wahrnehmung. Jedes Projekt hat (mindestens) einen Maintainer oder eion Core-Team (oder wie immer sich die Führung nennt), der faktisch die Entwicklung koordiniert. Allerdings hat er/sie keine "Befehlsgewalt" über die Mitentwickler, sodaß besondere Führungsqualitäten gefordert sind.

Bezahlte Anzeige

Und das ist wichtig zu wissen.

Fazit: Der Artikel ist sehr oberflächlich. Er simplifiziert und verzerrt (deshalb?) die wahren Hintergründe. Mit wenig Aufwand durch Recherchen im Internet und einschlägigen Zeitschriften (bzw. deren Archiven) hätten die vielen inhaltlichen Fehler und Unzulänglichkeiten leicht vermieden werden können. Insbesondere ist die relativ einfache rechtliche Situation inkorrekt dargestellt worden, wobei gerade nach einigen Jahren Diskussion über "Copyright" vs Urheberrecht dieses Thema kein besonders Neues ist. Viele Schlüsse und Argumente sind nicht nachvollziehbar und vertrauen offenbar auf "Beweis durch Behauptung".


Der Autor der Kommentare dankt allen, die an der Entstehung direkt und indirekt mitgewirkt haben. Insbesondere dankt er Peter Kuhm, der den Artikel abgetippt hat und auf internetz@vibe.at am 1. Juni 2004 gepostet hat.


powered by LINUX the choice of a gnu generation
linux user group austria;
Suche
Suche
Letzte Änderung:
webmaster@luga.at
23. Mai