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[luga] [gnu@cslab.tuwien.ac.at: [lll]: RedHat 5.0]



Denjenigen auf unserer Liste, die nicht auf der lll subskribiert sind, moechte
ich gerne diesen gelungenen Testbericht (der angeblich keiner ist) ueber
Red Hat 5.0 weitergeben.

lG - Michl

-----Forwarded message from Herbert Schwabl <gnu@cslab.tuwien.ac.at>-----
Weihnachtliche Gruesse *<:-)


  Ich wuensche mir vom Christkind eine einzige gscheite Linux-Distribution
auf dieser Welt. Dieses Jahr wurde wieder nix draus, leider ...

  Die letzten Tage hab ich mich intensiv mit der neuen RedHat5 
beschaeftigt und moechte fuer alle Interessierten ein paar Eindruecke
wiedergeben. Es soll kein Testbericht werden, nur eine Aufzaehlung von ein
paar Dingen, die mir so im Gedaechtnis haengen geblieben sind:


1) Installation: default, nix aufregendes: CD einlegen und von CD booten 
                 oder von DOS aus mit "autoboot.bat" starten. Ein neues
fdisk-frontend namens "Disk Druid" vereinfacht das Partitionieren der
Platte. Danach formatieren der Partitionen, Auswahl der zu installierenden
Packages, Konfiguration von Maus, Netzwerk, Drucker, XWindows, alles mit
ncurses-Oberflaeche ... recht nett und fast deppensicher.

2) X11: Dank RedHats "XConfigurator" sehr einfach aufzusetzen, nur
        Grafikkarte, Monitor, gewuenschte Aufloesungen und Farbtiefe aus
einer Liste auswaehlen, fertig. Ein fvwm2 begruesst, wieder mal etwas
eingenwillig bezueglich Farbgebung, etc. aber das ist ja schnell
genaendert. Installierte Programme scheinen im Menu auf und laufen auf
Anhieb. Als Alternative kann man auch den beigelegten Metro-X-Server
installieren (Einzelplatzlizenz im Wert vom $99,- enthalten). Ich hab ihn
mir nur kurz angesehen, zumindest die Konfiguration macht einen
professionellen Eindruck, und neuere bzw. ausgefallenere Grafikkarten
werden unterstuetzt.

3) Umfang: ca. 600MB fuellen die Platte nach einer Komplettinstallation. 
           Toll, alles da, was man sich so wuenscht. Ausser den
Default-Developementtools, -Servern und -Clients sind sogar fuer
Distributionen eher unuebliche Applikationen wie zB "gimp" oder
"ImageMagik" lauffertig enthalten. Apache, INN, PostgreSQL, Samba, NFS,
Sendmail, etc., etc. werden beim Booten gestartet und sind sogar halbwegs
vernuenftig konfiguriert, sodass man sie sofort benutzen kann. Die
Libraries scheinen auf den ersten Blick vollstaendig da zu sein, nur die
libqt & libforms vermisse ich. autoconf und Imake sind da und richtig
konfiguriert.

4) Konfigurations-Tools: Tja, da gibts eine Menge. Vom einfachen
                         "clock/date"-frontend bis zum
SysV-Runlevel-Editor, User/Group-Management, Netzwerk-Konfiguration,
Package-Management, findet man vieles sowohl in einer ncurses- als auch in
einer tcl/tk-Version vor. Ueber die Sinnhaftigkeit solcher Tools laesst
sich streiten. Mir hats zwar Spass gemacht, mit den User-Manager ein paar
neue User anzulegen, aber als ich merkte, dass dieser pro User gleich auch
eine neue Gruppe anlegt wird, bin ich wieder zum guten, alten vi
zurueckgekehrt. Leider vertragen es die Tools nicht besonders gut, wenn man
von Hand in den Konfigurationsdateien herumwurschtelt (Errors beim Parsen
treten auf), womit sie wahrscheinlich bei den meisten
Unix-Fortgeschrittenen innerhalb kurzer Zeit nur mehr Plattenmuell
darstellen.

5) Suchen & Finden: Ok, die haben sich wirklich halbwegs an den FSSTD
                    gehalten. Konfigurationsdateien in /etc, /usr laesst
sich read-only mounten, logfiles in /var/log, Bootfiles in /boot, etc.,
etc. Das gilt konsequent fuer alle installierten Programme, ein grosses
Plus, auch wenn ich mir mit einem auf 10 directories verteilten Apache
anfaenglich ein bisserl schwer getan hab :-)

6) Kompatibilitaet: Tja, dass ist der grosse Knackpunkt bei dieser
                    Distribution. Meine urspruengliche Intention war es
eigentlich, mit das eigenhaendige Updaten saemtlicher veralteten Libraries
zu ersparen, und hab mich daher zum ersten Mal seit Jahren fuer eine neue
Distribution entschieden. Leider geht RedHat bezueglich Aktualitaet ein
paar Schritte zu weit. Um es kurz zu machen: RedHat5 basiert nicht mehr auf
der libc5, sondern auf der glibc2, die sich als libc6 ausgibt. Schoen, sie
mag neuer, toller, schoener und schneller sein, aber um welchen Preis ...
nichts ist so, wie es war, selbst die fundamentalen Headerfiles sind
anders. Meine alte binaries kamen fast durch die Bank nicht mehr mit dieser
libc zurecht (segmentation fault), kaum eines der Programme liess sich ohne
massive Eingriffe neu kompilieren, traurig, traurig. Als Alibihandlung
werte ich das Verzeichnis /usr/i486-linux-libc5/lib/ - dort finden sich
naemlich die "alten" Libraries wieder - leider wirklich alte, naemlich
libc.so.5.3.12, libm.so.5.0.6, usw. Na ja, ich kann nur jedem von einem
Upgrade einer funktionierenden RedHat4 abraten. Besser ist es parallel die
neue Distribution aufzusetzen und dann von Hand alles nicht mehr
lauffaehige neu zu kompilieren. Leider haben die RedHat-Leute bei manchen
installierten Programmen noch dazu ihr eigenes Sueppchen gekocht. Das
enthaltene python-binary ist zum Beispiel hoechst seltsam gepatcht. Meine
scripts laufen nicht damit, und die RedHat-Konfigurationstools laufen nicht
mit meinem python-binary!? Ich hab da nicht laenger nachgeforscht und
hab jetzt python1.4 samt allen modules zweimal auf meiner Platte liegen.
Ebenso erging es mir mit PostgreSQL, da hat aber das RedHat-binary dran
glauben muessen.

7) Sonstiges: Die Amis schaffen es einfach nicht, etwas anderes als eine
              amerikanische Tastatur nur irgendwie zu supporten. Wer gerne
mit Backspace _und_ Delete arbeitet, sowie gerne Zeichen wie '~', '@', '\'
oder aehnliches in der Console, sowie unter X und Motif-Applikationen 
eingeben wuerde, kann das alte Spiel vom Patchen der keymap, ueber
Editieren von Xmodmap, XF86Config, .inputrc, ... von Anfang bis Ende
durchspielen. Das gleiche gilt fuer die Console/Xterm-Farben, was aber
wahrscheinlich ausser mir niemanden wirklich kuemmert (ich liebe "ls
--color", aber nur wenn die directories dunkelblau und binaries gruen
dargestellt werden :-)


Fazit: Wer sich Linux gerne mal anschauen will und noch kein
       funktionierendes System laufen hat, findet in RedHat ein IMHO auch
fuer Anfaenger geeignetes, ueberkomplettes, leicht administrierbares System
vor. Er begibt sich damit aber in eine Abhaengigkeit von "rpm" und RedHat,
denn fuer einen Anfaenger ist selber kompilieren ist mit dieser libc fast
unmoeglich. Die Installation und Deinstallation, sowie das Upgraden
einzelner Programme geht mit "rpm" und dessen frontends aber so einfach und
verlaesslich wie bei keiner anderen Distribution.

Also: RedHat5, die Distribution fuer Neulinge, Masochisten oder
      Innovationsgeile.


gnu.


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Fragen und Probleme: mail an MajorDomo@radawana.cg.tuwien.ac.at 'help' im BODY
Archiv: http://radawana.cg.tuwien.ac.at/mail-archives/lll/ghindex.html
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	   WSR (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Rechenzentrum)
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      and a good woman ... or a bad woman; it depends on how much
                      happiness you can handle.



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