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Jetzt gehts los ........



(Forward aus at.infosystems)

  Im Zuge einer vertraglichen Vereinbarung habe ich einen privaten
Rechner beim Internet-Provider VIP stehen. Besser, ich hatte stehen.
Bis gestern vormittag.

  Gestern, Donnerstag, um 10:45, erschienen neun Beamte der Kriminal-
polizei in den Raeumen der VIP. Dabei hatten sie einen Durchsuchungs-
befehl, in dem es hiess, dass aufgrund einer Anzeige gegen Unbekannt(!)
wegen Verbreitung von Kinderpornographie "Computer-Festplatten und der 
Beweissicherung dienende Ausstattung" zu beschlagnahmen waeren.

  Anscheinend hat am 10.3.1996 (kein Tippfehler) ein Kunde der VIP
gegen Paragraph 204a StGB verstossendes Material ins Internet ein-
gespeist. Wie (Mail, News, oder sonst irgendwie), darueber schweigt
sich das Dokument aus. Die Staatsanwaltschaft Muenchen hat daraufhin 
Oesterreich um Rechtshilfe ersucht...

  ...mit dem Ergebnis, dass die Raeumlichkeiten der Firma, die Privat-
quartiere der Eigentuemer und der Rest des Hauses durchsucht wurden.
Alles, das eine Festplatte enthielt, wurde beschlagnahmt. Egal, ob
es sich um Privatrechner der Mitarbeiter, den Firmenrechner mit der
gesamten Buchhaltung (der noch nicht einmal im Netz hing), oder eben
um das Eigentum unbeteiligter Dritter (ich und noch zwei "Glueckliche")
handelte. [1]

  Die Beamten wurden darauf aufmerksam gemacht, dass es sich nicht um 
Eigentum der VIP handelte. Ohne Erfolg. Sie wurden auch darauf auf-
merksam gemacht, dass "Stecker ziehen" nicht die Methode ist, einen
Rechner ordnungsgemaess niederzufahren. Ohne Erfolg. Ihnen wurde
angeboten, die Daten in weniger geschaeftsschaedigender Form zu
erhalten, etwa ein Backup auf Band. Ohne Erfolg.

  Summa summarum -- saemtliche Maschinen sind fort. Noch schlimmer,
saemtliche Daten sind fort. Sogar Sicherheitskopien auf Band wurden
mitgenommen. Ich habe den Grossteil der Nacht damit verbracht, einen
rudimentaeren Notbetrieb auf die Beine zu stellen mitzuhelfen.

  Und ich kann nur jedem empfehlen: Macht Backups. Aber nicht lokal, 
denn die werden dann ja auch mitgenommen. [2]

  Man koennte fast glauben, jemand versucht fuer das neue Medien-
gesetzt etwas Stimmung zu machen. Aber wer wuerde so weit gehen,
und der verantwortlichen Richterin, Dr. Helene Partik-Pable' 
irgendwelche Verbindungen zur oesterreichischen Parteienlandschaft 
nachzusagen...?

  Es haette jeden Provider treffen koennen. Wahrscheinlich sind 
auch Universitaeten nicht immun gegen diese Art der Rundumschlag-
gerichtsbarkeit. Mir macht die Sache jedenfalls Angst. 

  Die allgemeine Kinderpornohysterie in Verbindung mit dem Internet 
auszunutzen, und die schiere Existenz Dritter (wohlgemerkt, VIP ist 
nicht angeklagt, sondern das Material wird "nur" zur Beweissicherung
fuer eine Klage gegen Unbekannt gesichtet) durch die Beschlagnahme 
der gesamten Computerausstattung zu riskieren, ist nicht nur grob 
fahrlaessig, sondern skrupellos.

  Fuer weitere Informationen stehe ich, oder Peter Wlcek, Mitinhaber
der VIP (Telephon 257-33-17, unter seiner Email-Adresse ist er momentan
nicht ganz leicht zu erreichen :^), gerne zur Verfuegung.

	Martin Laubach

- ----- 
[1] Wer nun wirklich glaubt, nach einem Jahr auch nur eine Spur einer
versandten Mail oder eines Newspostings zu finden, der ist nicht nur
inkompetent, sondern ignorant. Im Zweifelsfall fuer den Angeklagten.
Denn die andere Alternative -- dass sie wissen, was sie tun -- gefaellt
mir noch viel weniger.

[2] Und weil wir schon dabei sind, verschluesselt die Daten (ich
jedenfalls werde irgendwie pgp in die Backup-pipeline einbauen). Wenn
schon jemand an meine Daten will, ohne mich zu fragen, dann sollen sie
sich auch anstrengen dafuer.





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September 2010